Der Weg zu einer nachhaltigen Immobilienwelt

Das breite Bewusstsein für Nachhaltigkeit und die drohende Klimakatastrophe lassen annehmen, dass bei der Errichtung neuer und der Sanierung bestehender Gebäude besonderes umwelt- und ressourcenschonend vorgegangen wird.

Bis dorthin, ist der Weg noch weit. Standards wie z. B. „Green Buildings“ stellen die verschwindende Ausnahme dar und sind bei weitem nicht die Regel! 

EU und Regierung haben ihre Hausaufgaben gemacht 

Gebäude stehen für 40 % des Energieverbrauchs in der Europäischen Union und für 36 % der durch Energieverbrauch bedingten Treibhausgasemissionen -hauptsächlich CO2. Die „Renovierungswelle“ wurde von der Europäischen Union bereits 2020 initiiert und soll zur Verdoppelung der Sanierungsquote von 1 % auf mind. 2 % beitragen.

Mit der Taxonomie-Verordnung hat die EU ein Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten geschaffen. Ab dem 1. Jänner 2022 haben Finanzunternehmen Basisdaten für taxonomiegeeignete (eligible) Risikopositionen zu publizieren. Und ab dem 1. Jänner 2024 hat eine weitergehende Offenlegung zu erfolgen. Die wichtigste Kennzahl für Banken ist hier die sogenannte Green Asset Ratio (GAR).

Der von der österreichischen Regierung in ihrer Steuerreform angepeilte Preis für CO2 Emissionen von EUR 50 pro Tonne gilt als Schritt in die richtige Richtung. Von Experten werden mittelfristig Preise von EUR 150 bis EUR 200 erwartet.

Jetzt sind die Banken am Zug

All diese Regelungen werden dazu führen, dass die Karten auf den Immobilienmärkten und für Ihre Finanzierung von Grund auf neu verteilt werden. NeubauKauf und Sanierung von Gebäuden werden bzw. müssen zukünftig anders funktionieren.

Sich als Bank bei der Finanzierung auf die Einhaltung der regulatorischen Rahmenbedingungen zurückzuziehen, wird zu wenig sein. Die Position an der Kundenschnittstelle zu verteidigen, sie zurück zu erobern oder sie auszubauen verlangt neue Herangehensweisen.

Banken und Finanzdienstleister müssen ihre Marktposition neu definieren und radikal aus Kundenperspektive betrachten. Als Brückenbauer zwischen Immobilieneigentümern und -entwicklern auf der einen Seite und Technologie- und Lösungsanbietern auf der anderen Seite sollten Sie ihre Rolle neu interpretieren.

Nur GRÜN wird rentabel bleiben

Immobilieneigentümer und -entwickler stehen vor erheblichen Herausforderungen. Experten meinen, dass die Sanierungsrate von knapp unter eins sogar auf drei Prozent gesteigert werden müsste.

Sind Gebäude nicht „grün genug“, wird deren Errichtung, die Nutzung und ihr Besitz durch Umweltauflagen, steigende Abgaben und höhere Finanzierungskosten zunehmend unrentabel. Es beginnt bei der Verwendung nachhaltiger Materialien z. B. Holz statt Beton, der Energieeffizienz beim Heizen, Kühlen bzw. Dämmen und geht bis zur Ver- und Entsorgung von Wasser. Und erstreckt sich von der Planung, über die Errichtung, die Wartung bis zur Demontage über alle Lebensphasen von Gebäuden.

Auf bestehende Büro-, Gewerbe- bzw. anders kommerziell genutzte Gebäude wird sich die CO2 Bepreisung direkt auf das Geschäftsmodell auswirken. Hier entsteht großer Sanierungsdruck.

Für private Wohnhäuser bzw. Wohnungen ist damit zu rechnen, dass die Politik mit langen Umstellungszeiträumen und großzügigen Förderungen den Finanzierungsbedarf zumindest dämpft. Hoher Beratungsbedarf entsteht jedenfalls.

Neue Wege gehen

Mit geeigneten Sanierungsmaßnahmen bzw. der Entwicklung von nachhaltigen Immobilien lässt sich die Spreu vom Weizen trennen und der Wert von Immobilien steigern.

Von Produktseite (Bau- und Dämmmaterialien, Energie-, Wärme und Kälteversorgung usw.) gibt es ausreichend Lösungen und Technologien – viele innovative Anbieter kommen dabei aus Österreich.

Die Banken spielen auf diesem Feld – noch – nicht ausreichend mit:  

  • für klassische Projektfinanzierungen sind die Volumina zu kleinteilig. 
  • die standardisierten Prozesse zur Wohnbaufinanzierung sind zu monolithisch und eignen sich nicht für die individuellen Ausgangssituationen von Kund*innen 
  • zur Finanzierung von innovativen Techniken gibt es nur geringe Erfahrungswerte und keine ausreichenden Zeitreihen für das Risikomanagement

Die herkömmlichen Instrumente der Angebotsentwicklung z. B. Markt- und Potenzialanalysen, Kundenbefragungen usw. sind aufgrund des sich erst neu formierenden Marktes nicht geeignet.

Modulare Lösungen und agile Vorgehensweisen

Den Bedarf von Kund*innen nicht als Wünsche und Ziele zu betrachten, sondern als Jobs die Kund*innen erledigen wollen, um Wünsche und Ziele zu realisieren, eröffnet die Möglichkeit Produkt-, Service- und Beratungsangebote modular zu gestalten.  
 
Die Modularität ermöglicht (fast) unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten für individuelle Lösungen, bringt Beratung auf den Punkt, sichert die Qualität, beschleunigt die Finanzierungsentscheidung und reduziert die Kosten.

Wir sind in unserer Artikelserie zur Zukunft der Kundenberatung in Teil 1 „Raus aus der Massenproduktion“ darauf eingegangen.

Mit ganzheitlicher Perspektive auf die Rollen, Anliegen und Aufgaben von Kund*innen werden konkrete Lösungen mit realen Kund*innen generiert, Muster in den Aufgaben der Kund*innen erkannt, Leistungsbausteine gezielt entwickelt und qualitätsgesichert auf weitere Kund*innen skaliert.

Dabei ermöglichen die Jobs-to-be-Done der Kund*innen als konkrete Anforderungen an die Produkt-, Service- und Beratungsmodule gezieltes Outsourcing an Netzwerkpartner, ohne dabei die eigene Wertschöpfungskette zu gefährden.

Wie geht´s zu diesem Thema weiter?

In unserer Online-Masterclass Marktchance nachhaltige Immobilien zeichnen wir mit Ihnen ein zukünftiges Bild einer nachhaltigen Immobilienwelt und entwerfen mit Ihnen die Eckpfeiler eines modularen Angebotes und einen ersten spezifischen Baustein, der radikal aus Kundenperspektive gestaltet ist.  

 

Mehr unter folgenden Artikeln Die Zeit drängt und Warten ist keine Option, Die grüne Transformation ist dezentral und vielzählig sowie in unserem Podcast Das bedeutet die EU Taxonomie für Banken.

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2022-03-25T07:58:26+01:00