Mutig die Weichen stellen

Es braucht jetzt Mut, Entscheidungen zu treffen und Weichen zur Positionierung zu stellen, um aktiv Zukunft zu gestalten, auch wenn oder auch gerade weil die Unsicherheit groß ist.  Und dann gilt es, konsequent dabei zu bleiben. Nur warum fehlt es uns manchmal dazu an Mut und Konsequenz? Und warum kommen wir manchmal nicht weiter, obwohl es uns wichtig ist?

Um klar zu sein: es geht nicht darum, das, was uns in der Vergangenheit erfolgreich gemacht hat, zu optimieren, sondern es geht darum unsere Wege im 21. Jh. zu gestalten und unsere Unternehmen zukunftsfähig oder, wie einige es sagen, enkelfähig zu machen. Dies erfordert Mut, zum einen sich selbst und das eigene Geschäftsmodell zu hinterfragen und zum anderen das Risiko einzugehen, Fehler zu machen und sogar mit Projekten zu scheitern.

Die Pandemie hat die digitale Transformation der Wirtschaft und auch der Banken weiter beschleunigt. Schwachstellen in der IT-Infrastruktur sind zu beseitigen, Prozesse zu automatisieren, digitale Kundenkanäle und digitales Kundendialogmanagement ganzheitlich zu integrieren. Der Kostendruck steigt und gleichzeitig auch die Risiken in der Bilanz. Die wirtschaftliche Situation im deutschsprachigen Raum ist mehr als fordernd. Und wann die Pandemie eine neue/alte Normalität zulässt, ist kaum prognostizierbar. Dazu eine unübersichtliche und gespannte geopolitische Lage. Kurz und gut: die Komplexität hat ein Ausmaß erreicht, das wir uns vor einem Jahr nicht hätten vorstellen können. Und der Druck ist enorm.

Jetzt gilt es die Positionierung der Bank / des Bereichs zu überprüfen und die entscheidenden Weichen zu stellen, Entscheidungen zu treffen und neue Wege einzuschlagen.

„Einen Vorsprung im Leben hat, wer da anpackt, wo die anderen erst mal reden.“ (John F. Kennedy)

Neue Wege, um wirklich von den Kunden mit ihren aktuellen Anliegen und Aufgaben her zu denken und handeln, um das Kreditrisiko vorausschauend zu steuern, um eine Unternehmenskultur zu fördern, die die strategische Ausrichtung unterstützt und um nicht mehr Sinnstiftendes wegzulassen.

Ohne Mut brechen wir nicht auf ins Unbekannte. Ohne Mut gibt es keine großen Geschichten. Aber warum sind wir manchmal verzagt, in die Veränderung zu gehen? Was hindert uns, uns auf den Weg zu machen, den wir intuitiv für richtig halten? Was bremst uns, vom Debattieren ins echte Machen zu kommen? Was hält uns zurück, Risiken einzugehen. Und mit Risiken ist es verbunden, denn die Lage ist komplex und unübersichtlich und wir kennen die Lösung noch nicht. Es gibt keine Blaupause, kein Lehrbuch und noch nicht mal eine Checkliste. Und ehrlich gesagt, wenn wir wüssten wie es geht, hätten wir uns ja schon auf den Weg gemacht.

Ist es fehlendes Vertrauen in uns selbst? Oder fehlendes Vertrauen in unser Team?

„Wenn die Sehnsucht größer ist als die Angst, wird Mut geboren.“ (Rainer Maria Rilke)

Mut ist nicht das Gegenteil von Angst, sondern die Überwindung von Angst. Mutige Menschen haben durchaus Angst, aber sie stellen sich dieser. Sie lassen sich von dieser nicht einschränken.

Aber auf welcher Weise können wir mutiger sein? Können wir lernen mit mehr Mut durch das Leben zu gehen? Denn nichts zu machen ist schlimmer, ist Unterlassertum, und das ist Stillstand und dann Rückschritt.  

Mutiges Verhalten besteht laut Gerald Hüther darin, auf andere zuzugehen und es zu wagen, sich zu öffnen. Mut ist demnach auch, seine Vorstellungen immer wieder in Frage zu stellen. Mut sich von Denkmustern zu lösen, die wir übernommen haben, die aber nicht mehr in unsere Zeit passen oder zu uns passen. Zuversicht ist ein Gefühl, das dann über Erfahrung zu einer Haltung werden kann.

Leinen los mit einem starken „Why“

Etwas zu tun, zu handeln trotz des potentiellen Risikos. Veränderungsprozesse brauchen Mut, denn gerade am Anfang und in der Mitte sind sie häufig mit negativen, unangenehmen Emotionen verbunden. Jemand, der etwas verändern möchte, ist gut berufen, bei sich selbst anzufangen. Aber mutig sein bedarf auch einer Mut-Kultur im Unternehmen, geprägt durch 7 Punkte:

  • Lohnendes Anliegen: Unsere Visionen machen uns mutiger. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mit einem lohnenden Zukunftsbild vor Augen und einer Vorstellung von dem Gefühl, es erreicht zu haben, die ersten Schritte nicht nur klarer, sondern auch deutlich einfacher sind. Und die ersten Erfolge erfüllen einen mit Stolz und führen dazu, dass sich immer mehr „Mitgestalter“ anschließen. Wenn Menschen in einem Unternehmen das gemeinsame „Why“ kennen und darauf hinarbeiten, setzt das immer wieder ungeahnte Kräfte frei und öffnet auch den Blick für andere Wege.
  • Involvement: Wenn wir Menschen empowern und daran beteiligen, Strategien zu entwickeln, Ziele festzulegen und ihnen die Verantwortung geben für das, was sie tun, bewegen wir viel: Für den mutigen nächsten Schritt, für die Motivation der Mitarbeiter und für den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens.
  • Vertrauen: Vertrauen in mich selbst und in andere. Vertrauen ermöglicht, uns auf andere zu verlassen, auch ohne zu wissen, wie sie genau handeln werden oder was sich im Umfeld alles verändern wird.
  • Sicherheit neu verstehen: Menschen brauchen Sicherheit um ihr ganzes Potenzial zu entfalten. Sicherheit etwas beitragen zu können, etwas sinnvolles zu tun, ihre wahre Meinung einbringen zu können, Fehler machen zu dürfen und anerkannt zu werden. Hier zählen Wertschätzung, Offenheit und vor allem Vorbilder mehr als Arbeitsplatzgarantien oder ähnliches.
  • Start before you are ready: Wenn wir neue Dinge ausprobieren oder neue Wege gehen wollen, schaffen wir es nicht mehr alles bis zu Ende zu denken und zu planen. Es gilt Schritt für Schritt Erfahrungen zu machen, Feedbackschleifen einzuziehen, aus Fehlern zu lernen, Anpassungen vorzunehmen und den nächsten Schritt zu gehen. Häufig stehen wir uns dabei selbst im Weg. Hinter unserem Drang zum Perfektionismus steckt häufig unser Wunsch unser Bestes geben zu wollen. Und damit auch das Bedürfnis nach Anerkennung, der Schutz vor Niederlagen und die Sorge, die eigenen Anforderungen und denen von anderen nicht gerecht zu werden.
  • Mut haben dürfen: Die Angst davor, Fehler zu machen und dafür bestraft zu werden, hemmt die Risikobereitschaft der Menschen und verhindert neue Ideen und Innovationen. Fehler machen bedeutet nicht gleich Scheitern. Fehler gehören dazu, wenn wir Neues ausprobieren und neue Wege gehen. Wichtig dabei sind Feedbackschleifen und schnelles Lernen. Wiederholen, lernen…
  • Orientierung geben: Neben dem Freiraum, in dem Mitarbeiter Initiative zeigen und auch ihre Entwicklung selbstbestimmt vorantreiben, benötigen Unternehmen die passenden Prozesse, Strukturen und Tools, die diesen Freiraum ermöglichen und unterstützen.

Wenn Sie an ihre eigene Organisation denken: Wie schätzen Sie die Situation hier ein? Wo stehen Sie da?

Und was ist Ihr mutiger nächster Schritt?

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