Risiko nehmen, um Risikokosten zu sparen!

„Die Kurve flach halten!“ – das haben wir ja durch Corona nachhaltig verinnerlicht. Wenn Banken zukünftig nicht mit einer Flut an notleidenden Krediten überlastet sein wollen, sollten sie Unternehmen besser großzügig mit Liquidität versorgen, als sie jetzt zu knapp zu halten und kurzfristig „auf Sicht zu fahren“!

Der Vergleich zur Covid-19 Kurve passt gut. Auch bei Unternehmen gilt es die Menge an „infizierten“ Firmen niedrig zu halten und keinesfalls sprunghaft ansteigen zu lassen. Das könnte wie im Gesundheitssystem dazu führen, dass die Bankbereiche Sanierung und Verwertung – die Intensivstationen des Kreditgeschäftes – völlig überlastet werden und dadurch Unternehmen sterben, die mit mehr Liquidität durchwegs überlebensfähig gewesen wären.

Über Nacht standen Geschäftsmodelle still, die eben noch gut funktioniert haben. Dienstleister, Berater, Unterhaltungs- und Kulturbetriebe und viele mehr wurden schlagartig von ihren Einnahmen befreit. Oft geht es dabei um mittelständische Unternehmen – das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft. Selten sind das Unternehmen mit großem Kapitalpuffer, da Kapitalausstattung für diese Betriebe wenig erfolgsentscheidend war. Jetzt ist das mit einem Schlag anders.

Jedes Unternehmen stirbt zuletzt an mangelnder Liquidität. Entweder, weil das Geschäft nicht ausreichend Einnahmen bringt oder die Kosten zu groß sind – eine Binsenweisheit in normalen Zeiten. Aber im Ausnahmezustand werden die Zeittangente und der Kapitalpuffer zur alles entscheidenden Größen, um die nächsten Wochen durchzutauchen und einen Neustart zu bewältigen.

„Dreimal abgeschnitten und noch immer zu kurz!“

Eine Bank, die mit ihrer Risikopolitik nun „konservativ auf Sicht“ fährt und nur möglichst knapp – also die nächsten paar „Meter“ Liquidität finanziert, handelt zu kurzsichtig. Sie verkürzt den Spielraum für Unternehmen in einem kontrollierten Neustart Schritt für Schritt durchzustarten und erhöht gleichzeitig die Risiken für alle Beteiligte. Auch für die Bank selbst.

Wir alle wissen nicht, wie lange die Krise dauert. Auch nicht, was danach sein wird. Wir alle managen momentan Ungewissheit – Banken und Unternehmer. In Zeiten der Unsicherheit ist es jedoch vorteilhaft Spielräume zu schaffen. Je länger die Startbahn, umso eher gelingt der herausfordernde Relaunch. Je knapper, desto mehr Druck lastet auf allen Beteiligten und der gesamte Fokus liegt auf dem Management der Finanzen anstelle der Vorbereitung zukünftiger Geschäftserfolge.

Auch für die Banken selbst bedeutet eine zu kurze Finanzierung Mehrarbeit und Mehrbelastung: Viele Fälle müssen in ein paar Monaten ein zweites Mal in die Hand genommen werden und eine neue Kreditentscheidung, bei vermutlich schlechterem Rating und ungünstigeren Parametern, vielleicht dann sogar ohne die jetzige staatliche Unterstützung, gefällt werden. Die Folgen sind absehbar. Wie der Stau in den Workout- oder Sanierungsbereichen der Bank, wenn die Kurve nicht flach gehalten wird.

Risikomanagement braucht jetzt Mut und Balance

Können Unternehmer ihre Geschäfte nach der Krise wieder hochfahren? Sind sie in der Lage ihre Geschäftsmodelle so neu auszurichten, um in einer vielleicht veränderten Welt wieder erfolgreich zu sein?

Die entscheidenden Fragen in der Kreditvergabe sind nun: welche Unternehmerpersönlichkeit, welcher Manager und welches Geschäftsmodell wird es schaffen in einer veränderten Post-Corona-Wirtschaft wiederum nachhaltig erfolgreich zu sein? Keine leichten Fragen! Sicher sind sie nicht mit den Modellen mit Blick auf die Vergangenheit zu beantworten. Anhaltspunkte liefern da nur der bisherige Erfolg und die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells, sowie die Plausibilisierung und Proportion der Überbrückungsfinanzierung zur früheren Ertragskraft des Unternehmens. Das bleibt aber immer eine qualitative Einschätzung mit wenig quantitativer Unterstützung: Risikomodelle wurden nicht für solche und nicht in solchen Zeiten entwickelt.

Daher geht es nun nicht nur um gute Risikostrategien und -prozesse, sondern auch um die Renaissance einer echten Risikokultur in Banken: jetzt ist im Risikomanagement wieder Mut und Entscheidungswille gefragt! Hochentwickelte, automatische Risikomodelle und Scorings werden Banken rasch handlungsunfähig machen. Qualitative Bewertungen und mutige, rasche Entscheidungen zu treffen und damit eine Balance aus künftigen Risikoerträgen und -kosten für das Kreditportfolio zu schaffen, sind die Kernkompetenz dieser Tage. Dazu braucht es sicherlich ein neues Zusammenspiel, ein förderndes Leitsystem im Management und eine gemeinsame, radikale Kundenperspektive aller Beteiligten. Regulatorik und Bürokratie dürfen dabei nicht zum alleinigen Argument für Entscheidungen herhalten.

Covid-19 ist für Banken ein Moment-of-Truth. Es geht um Sinn: für Gesellschaft, Wirtschaft, KundInnen und MitarbeiterInnen.

Nun geht es darum Verantwortung zu nehmen und „Banking“ wieder Sinn zu geben: Risiko mit „Hirn & Herz“ zu nehmen und die Wirtschaft und damit auch die Zukunft unserer Gesellschaft, von Unternehmungen und Menschen zu finanzieren.

Die Reise zum Sinn

5. August 2020|Angebot, Zukunftsweisendes Leitsystem|

Erfolgreiche Unternehmen werden von einem starken Anliegen angetrieben. Ein solcher Purpose, ein Warum gibt für Entwicklung und Transformation Orientierung und Motivation durch Sinn. Wir helfen der Führung, diesen herauszuarbeiten, zu schärfen und Strategie emotional begreifbar zu machen.

Adaptive Steuerung des Kreditportfolio

4. August 2020|Angebot, Covid-19-Krise|

Sinn und Risiko in Einklang bringen – Wir glauben, dass Banken beim Bewältigen dieser Krise eine wichtige Aufgabe haben, die Menschen und Wirtschaft bestmöglich zu unterstützen. Aber natürlich muss dabei das Kreditportfolio auch überleben und kann nicht alle Risken nehmen. Es gilt also, eine kluge und vorausschauende Portfoliostrategie zu entwickeln, die sowohl den Ertrag als wesentlichen Risikopuffer stärkt, als auch die kritischen Segmente („Cluster“) in Szenarien vordenkt, einschätzt und für den Ernstfall vorbereitet.

2020-09-01T17:33:14+02:00